11. Ich liebe mein Klavier

Als ich grade mal 21 war,
stand ich schon vor dem Traualtar,
glücklich verliebt, sollte man meinen.
Aber mein Herz gehörte nicht nur dem einen.
Es gab da einen andern (dreimal dürft ihr raten),
für den hab ich meine ganze Aussteuer verbraten.

Wir hatten kein Auto, keinen Fernseher, kein Bett,
aber mein Ehemann, der war so nett
und sagte: „Komm, nimm das Geld und kaufe dir
dein lang ersehntes Klavier“.

Ich liebe mein Klavier,
fast so sehr wie meinen Mann,
weil es – glaubt es mir –
mich so unbeschreiblich glücklich machen kann.

Mein Klavierlehrer, der sagt zu mir,
– und er ist ein echter Meister am Klavier
(ohne diesem Mann zu schmeicheln) -,
ich sollte mein Klavier nicht nur streicheln.
Ich sollte beherzt sein und mich traun,
mal ordentlich in die Tasten zu haun.

So kam es, dass wir anfingen, an manchen Tagen
uns miteinander herumzuschlagen –
natürlich nur ganz freundschaftlich –
mein geliebtes Klavier und ich.

Ich liebe mein Klavier …

Doch die ganz persönlichen vertrauten Stunden,
hab ich immer am allerschönsten gefunden.
Wenn wir beide nur das tun, was wir grad fühlen,
nur unserm Schöpfer zu Ehren spielen,
dann ist es, als ob Zeit und Raum verschwinden
und als ob wir uns beinah schon im Himmel befinden.

Apropos: Was mach ich nur, wenn ich dann
im Himmel nicht mehr Klavier spielen kann?
Muss ich dann von Wolke zu Wolke hupfen
und mit den Engeln die Harfe zupfen,
während ich „Halleluja“ sing?
(Also ehrlich gesagt, das wär nicht so mein Ding!)

Aber mitten in meinem Panikschmerz,
taucht da ein Satz auf in meinem Herz,
wie in einem Spiegel.
Keine Panik: Engel haben doch Flügel.

Ich liebe mein Klavier …

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