10. Richte dich auf

Sie war schon seit sehr vielen Jahren
eine gekrümmte Frau.
Was geschah und wie das kam,
erfährt man nicht genau.
Man weiß nur, dass sie zum Tempel kam
und ihren Schöpfer pries,
und dass sie ihn – trotz all ihres Leides –
nie verließ.

Jesus wurde auf sie aufmerksam.
Er reichte ihr seine Hand.
Und es erbarmte ihn zutiefst im Herzen,
wie sie da vor ihm stand.
Er sah sie erst nur schweigend an,
er stellte ihr keine Fragen
und begann dann – zur Verwunderung aller –
zu ihr zu sagen:

Richte dich auf, richte dich auf!
Du sollst gerade stehen.
Richte dich auf, richte dich auf!
Du darfst deinen Weg aufrecht gehen.
Niemand darf dich beugen,
du sollst dich vor niemandem neigen,
als vor ihm, deinem Gott,
als vor ihm, deinem Gott.

Da gingen sie auf die Barrikaden,
das konnten sie nicht ertragen.
Sie hatten ihn zwar eingeladen,
doch wie konnte er das an einem Sabbat wagen?
Sie hielten ihn für gesetzestreu.
Er war ihnen fromm erschienen.
Sein Weg der Liebe war für sie neu,
so sagte er zu ihnen:

„Ihr lebt unter dem grausamen Joch
von menschlichen Paragraphen.
Ihr müht euch ab und fürchtet euch noch
vor angedrohten Strafen.
Doch Gott, der Vater bedrückt euch nie!
Lasst euch wie die Frau berühren.
Und habt den Mut, genau wie sie
ein aufrechtes Leben zu führen.

Richtet euch auf, richtet euch auf!
Ihr sollt gerade stehen.
Richtet euch auf, richtet euch auf!
Ihr dürft euren Weg aufrecht gehen.
Niemand darf euch beugen.
Ihr sollt euch vor niemandem neigen
als vor ihm, eurem Gott.
als vor ihm, eurem Gott.

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