5. Die Raupe

Es war eine Raupe, die war dick und fett,
und die dachte bei sich, so ein Bett wäre jetzt nett.
Sie sehnte sich nach Ruhe wie ein Schiff nach seinem Hafen.
Und sie sagte zu Gott: „Herr, ich möchte schlafen!“

Sie hatte keine Angst, irgendetwas zu versäumen.
Den Seinen gibts der Herr im Schlaf, während sie träumen.

Schwerfällig und dick schleppte sie sich fort,
und sie schaute sich um nach einem Ort,
der ihr Sicherheit bot für ihren Schlaf.
Das war der Moment als ich sie traf.

Eine Schönheit war sie nicht, wie sie da saß
und schmatzend und schnaufend ihre letzte Mahlzeit fraß.
Doch selbstbewusst gab sie mir zu verstehn:
„Meine Schönheit kann man nur noch nicht sehn.“

Sie hatte keine Angst, irgendetwas zu versäumen.
Den Seinen gibts der Herr im Schlaf, während sie träumen.

Ich dachte so bei mir, als sie begann
und klebrige Fäden um ihren Körper spann,
dass es oft so aussieht, als ob jemand spinnt,
wenn Gott in seinem Leben zu wirken beginnt.

Manchmal rätseln wir über sein Handeln
und erkennen nicht, er will uns verwandeln.
Und so wird aus manchem potthässlichen Ding
nur durch seine Gnade irgendwann ein Schmetterling.

Darum habe keine Angst, irgendetwas zu versäumen.
Den Seinen gibts der Herr im Schlaf, während sie träumen.

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