3. Familie Meier

Im Kapitel über die Verteilung der Güter schreibt der Heilige Benedikt in seiner Klosterregel sinngemäß Folgendes: Jeder Bruder soll bekommen, was er braucht. Und wenn dein Bruder mehr hat als du, sei nicht traurig, sondern danke Gott, dass du es nicht brauchst. In dieser Haltung steckt eine große Freiheit.

Sie haben ‘ne Dreifachgarage gleich neben dem Haus,
doch für Meiers ihren Fuhrpark reicht das nicht aus.
Mit seinem großen Schlitten ist er schnell im Büro
und im Sommer fährt Herr Meier ein Cabrio.
Für die Gattin muss es ein Kleinwagen sein.
Denn dann kommt sie beim Shoppen in jede Parklücke rein.

Die Tochter hat ihren eigenen Campingbus,
damit sie im Urlaub kein Hotel buchen muss.
Der Junior hat den Alten vom Papa übernommen,
wie soll er auch sonst in die Schule kommen?
Oh, da staun ich nicht schlecht und ich wunder mich auch.
Und ich bin meinem Herrgott so dankbar, dass ich das nicht brauch. 

Sie haben ‘ne Luxusküche mit ‘ner Kochinsel drin,
nur die neueste Technik macht für Meiers Sinn.
Der Ofen auf Augenhöhe zieht in den Bann,
weil er backen und grillen und dampfgaren kann.
In den Eisschrank passt ein halbes Kühlregal,
zwischen 15 Joghurtsorten hat man bei Meiers die Wahl.

Der neuste Thermomix macht Frau Meier froh,
und ‘ne Mikrowelle braucht man sowieso.
Nur Frau Meier schaltet ihre mit dem Smartphone an,
weil man ihre Geräte alle fernsteuern kann.
Oh, da staun ich nicht schlecht und ich wunder mich auch.
Und ich bin meinem Herrgott so dankbar, dass ich das nicht brauch.

Meiers sind durchtrainiert, he, die sind superfit,
die haben Kondition, da komm ich nicht mit.
Ich bin noch nicht einmal aus dem Bett,
da verbrennen die Meiers schon ihr Körperfett.
Er joggt frühmorgens schon vorm Büro.
Und sie geht dreimal die Woche ins Fitnessstudio.

Sie haben ein Trampolin im Haus aufgebaut,
da springt die Tochter drauf, wenn sie Serien schaut.
Der Sohn ist ein einziges Muskelpaket,
modelliert seinen Body, wann immer es geht.
Sogar der Hund hat ‘nen Waschbrettbauch.
Oh, ich bin meinem Herrgott so dankbar, dass ich das nicht brauch.

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